Aus versehen hdd formatiert

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    Originally posted by kopernikus2005
    Wenn du nur eine Schnellformatierung durchgeführt hast, dann ist in der Regel nur die Baumstruktur bzw. das Inhaltsverzeichnis gelöscht worden und die Filmdateien noch erhalten sind und mit Datenrettung wieder hergestellt werden können.


    Schnellformatierung? Das ist doch dieses Unwort aus der Windows-Ecke, was nix weiter bedeutet, als dass man genau das gleiche macht wie immer (ein neues Filesystem aufbringen), wobei man sich nur den völlig antiquierten kompletten Lesetest spart, den DOS mal in den frühen 80ern einführen zu müssen glaubte (die Qualität der damals in PCs verbauten Platten schien sowas wohl angeraten erscheinen). Der destruktive Impact ist damit identisch.


    Und bei "nur die Baumstruktur bzw. das Inhaltsverzeichnis" musste ich mal kurz innehalten und in den Teppich beißen, bis der Blick langsam wieder tränenfrei wurde. Ein mkfs mit exakt den selben Parametern wie das bereits existierende Filesystem hat die unangenehme Eigenschaft, dass es exakt alle Blöcke überschreibt, in denen die Metadaten des alten Filesystems standen. Jeglicher künstlich etablierter Zusammenhang aller der Milliarden Blöcke, der mal die Files repräsentierte, wurde perfekt weggeputzt. Es ist ungefähr das selbe, wie alle Buchstaben des Herrn der Ringe in die Luft zu werfen, einen großen Haufen zu hinterlassen und sich dann hinzustellen und zu sagen: "Das hier ist der HdR - es sind nur die Metadaten verloren gegangen, aber da ist noch was zu retten". Und wir reden hier von ein paar Größenordnungen mehr an Blöcken, als der HdR Buchstaben hat...


    In einigen speziellen Sonderfällen ist tatsächlich noch was zu retten. Genau dann, wenn das Filesystems ursprünglich nur Files enthielt, die ein inneres Metadatengerüst aufweisen, anhand dessen man sie zweifelsfrei wieder zusammensetzen kann. Bei MPEG2 Transport Streams und den darin multiplexten Elementary Streams stünden diese Chancen besser als bei vielen anderen Formaten - diverse Timestamps zur A-V-Sync etwa, Teletext-Streams mit auswertbaren Metadaten etc könnten Anhaltspunkte sein. Aber wenn in 10GB ex-HD-Aufnahme auch nur ein paar Blöcke nicht automatisch rekonstruierbar sind, dann ist die Aufnahme trotzdem hinüber - im Idealfall hat sie nur Lücken und klötzelt, aber selbst das hat AFAIK noch niemand, dem das beschriebene Malheur wirklich passiert ist, mit irgendeinem Tool erreicht. Für kaputte Speicherkarten mit Fotos hört man gelegentlich Reports zu Teilerfolgen. Aber das hier ist noch mal eine handvoll Größenordnungen mehr an Aufwand.


    Also bitte, ein lakonisches "sind nur die Metadaten weg" hilft niemandem.


    Yapapa: Mit welchem Tool exakt, für welche Filetypen exakt und mit was für konkreten Verlusten hast Du was genau von einer wodurch genau beschädigten Dream-HDD gerettet? Ich bin skeptisch, aber empirisch zu überzeugen. Praktisch jeder Schreib-Schrotschuss auf eine HDD aktuell gängiger Größe ist eigentlich weitgehend harmlos, weil man so fast nie die Metadaten und ihre Schutzmechanismen ausreichend beschädigt bekommt - man trifft üblicherweise ein paar fette Files oder gar den Free Space und bekommt kaum mit, dass was zerlegt wurde. Ein Backup Superblock hilft, wenn der Write mal etwas gezielter auf den Anfang der Platte ging. Aber "Überformatieren" ist anders, weil es fieserweise genau "weiß", wo es hinschreiben muss, um mit wenigen Writes maximales Unheil anzurichten. Ich glaube da nur an Rettungserfolge, die ich selbst gesehen habe - oder zumindest glaubhaft und mit Details belegt dokumentiert wurden.


    HTH anyway,
    Andre.